PLAN

[for English version please see below]

I. Zweck
Pausenlos produziert der Kapitalismus politische, ökonomische, ökologische Krisen. Wir aber fangen an zu begreifen: Diese Krisen sind keine Ausnahmen, sondern die Regel. Und Prometheus ist ihr Schatten. Er ist die Frage, ob nicht – gegen die falschen, reaktionären „Alternativen“, die sich überall in Europa formieren und entgegen den üblichen, reflexhaften Apellen zu Entschleunigung oder individueller Nachhaltigkeit – ein echter Fortschritt die einzige wirkliche Alternative zur Katastrophe wäre. Ein radikaler Fortschritt, der Technologie und Produktivkräfte beschleunigt, ihre volle, menschenfreundliche Entfaltung voran treibt und gegen die Umklammerung durchs Kapital ausspielt?

Die EGfKA organisiert ein theatrales Labor zum Prometheus-Stoff, um unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichsten Wissensgebieten, Denk- und Kunstrichtungen miteinander zu verschalten. Indem wir uns versammeln, unsere Erfahrungen austauschen, experimentieren und spekulieren, wollen wir ein Bewusstsein unserer Lage und Verwendung erlangen und Zukunft wieder anders denkbar und planbar machen. Wie können wir uns organisieren? Wie sieht dieses „wir“ heute aus? In welchem Rhythmus wippt es? Wie können wir (z.B. unsere) Produktivkräfte sinnvoll und gerecht für alle nutzbar machen, Technologie und Wissen als Sprungbrett für gesellschaftliche Emanzipation begreifen? Und welche Rolle kann Theater dabei spielen?

II. Mittel
In den Räumen des Ringlokschuppen Ruhr wird eine einwöchige theatrale Laborsituation geschaffen. Arbeitsgrundlage ist der Prometheus-Stoff, verknüpft vor allem mit der aktuellen Theorie um einen neuen Akzelerationismus. Die Teilnehmenden werden allesamt dem ‚Kognitariat’ entstammen: Bildende und darstellende Künstler/innen, Wissenschaftler/innen, Programmierer/innen, Sozialarbeiter/innen, politisch Aktive, Studierende, etc. So wird ein möglichst breites Spektrum von Perspektiven und Fertigkeiten abgedeckt. Der Plan ist, kollektiv – als ‚general intellect’ – die eigene Lage zu sondieren, herrschende und alternative Zukunftsszenarien oder Zugänge zu so etwas wie Zukunft zu erforschen und künstlerisch mit ihnen zu experimentieren.

Täglich werden zwei eingeladene Gäste Inputs zu thematisch je eingegrenzten Feldern geben. Neben einer diskursiven Auseinandersetzung wird es im Anschluss darum gehen, die neuen Gedanken, Überlegungen, Impulse in künstlerische oder (massen-)mediale Formen zu übersetzen. An bestimmten Abenden werden wir den Raum für ein breiteres Publikum öffnen, in speziell dafür entwickelten Gesprächsformaten Gedanken zur Diskussion stellen, Filme vorführen, Konzerte geben oder erste szenische Entwürfe zeigen.

Am Ende der Woche sollen die Ergebnisse des Labors in Form einer theatralen Ausstellung* einer breiten Öffentlichkeit präsentiert und mit dieser diskutiert werden.

* Unsere Verwendung des Begriffs ‚Ausstellung’ bezieht sich auf Brechts Kommentar zur Aufführbarkeit von Lehrstücken. Vgl. unsere Überlegungen dazu in: „Theater der Sorge – Politisch Politische Theater machen“, in: Matthias Naumann, Mayte Zimmermann (Hrsg.): Mülheimer Fatzerbücher 3 – In Gemeinschaft und als Einzelne_r. Berlin, Neofelis 2014, S. 181-200.

ENGLISH VERSION:

I. Purpose
Capitalism ceaselessly produces political, economic, environmental crises. We’ve begun to understand that these crises are not the exception but the rule. Prometheus is their shadow. He posits the question whether it is not true progress that might be the only real alternative to catastrophe – against the false, reactionary “alternatives” forming across Europe, and against the usual, reflex-like appeals to deceleration or individualised sustainability. Radical progress then: accelerating technology and the forces of production, advancing their complete unfolding, for humanity, and against capital’s embrace?

The EGfKA organises a theatrical laboratory on the myth of Prometheus in order to cross-wire different people from different fields of knowledge, thought and art. By coming together, exchanging experiences, experimenting and speculating, we would like to increase our understanding of our situation, render the future thinkable and even open to planning in new ways. How can we organise? What is this “we”, today? What is its seesawing rhythm? How can we make meaningful and just use of (for instance, our) forces of production? How can we conceptualise technology and knowledge as springboards for social emancipation? And what is the role of the theatre in such a project?

II. Means
In the premises of the Ringlokschuppen Ruhr, a theatrical laboratory is created for the period of a week. The material to be used is the myth of Prometheus, linked primarily to current theories of accelerationism. The participants will all stem from the ‘cognitariat’: visual and performing artists, academics, programmers, social workers, political activists, students, etc. This is to ascertain that a broad spectrum of perspectives and skills is covered. Collectively – as a ‘general intellect’ – our situation is to be gaged, dominant or alternative scenarios for the future as well as approaches to something like a future to be researched, and to be experimented with artistically.

Each day, two invited guests provide input in terms of thematically delimited fields. Aside from a discursive engagement, what will be at stake will be to translate the new thoughts, reflections, impulses into forms of art and the (mass-)media. On certain evenings, the space is to be opened to a wider public; the aim is to present thoughts open to discussion, to show films, give concerts or show first scenic drafts.

At the end of the week, the results of the laboratory are to be presented to and discussed with the public in the form of a theatrical exhibition.*

* Our use of the term ‘exhibition’ refers to Brecht’s commentary on the performability of the Lehrstück, the didactic piece. Cf.: “Theater der Sorge – Politisch Politische Theater machen”, in: Matthias Naumann, Mayte Zimmermann (eds): Mülheimer Fatzerbücher 3 – In Gemeinschaft und als Einzelne_r. Berlin, Neofelis 2014, pp. 181-200.

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Hier wird es konkret:

PROMETHEUS ENTFESSELN – Programm

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